BUCHREPORT Mai/2002
Buchreport: Krimis für das Kino im Kopf
Der Autor Michael Molsner hat zahlreiche
Romane und TV-Drehbücher verfasst. Jetzt
legt er erstmals einen Polit-Thriller vor und
setzt dabei auf einen kleinen Verlag.
Dieser Mann weiß, wie man ein Publikum
unterhält: Michael Molsner, geboren am 23.
April 1939 in Stuttgart, ehemaliger
Gerichtsreporter in München, bekennender
Alt-68er und seit dem Jahr der
Studentenrevolte freier Schriftsteller, hat
mittlerweile 30 Kriminalromane, elf
Jugendbücher, zwölf Kriminalerzählungen
sowie mehrere "Tatort"- und "Peter
Strohm"-Drehbücher auf der
Haben-Seite.Mit seinem Erstlingswerk "Und
dann hab` ich geschossen" (1968, Rowohlt)
gelang dem später mehrfach ausgezeichneten
Autor das erfolgreiche Debüt im
Krimi-Genre.
Was das Schreiben angeht, ist Molsner ein
"alter Hase". Jetzt hat ihn aber noch einmal
das Premieren-Fieber gepackt. Unter dem
Titel "Um alles in der Welt" legt der kürzlich
aus dem Allgäu ins Ruhrgebiet übergesiedelte
Autor seinen ersten Polit-Thriller vor. Das
Buch erscheint im Oktober-Verlag - ein
kleines Unternehmen mit Sitz im
westfälischen Münster, das seit Mai 2001
Bücher verlegt, "die Aufklärung, Kritik und
historisches Bewusstsein befördern" sollen.
"Ein junges Team, bei dem mein Buch in
guten Händen ist", meint der Autor.
Mit "Um alles in der Welt" präsentiert sich
Molsner dem Krimi-Fan, der ihn vielleicht
auch unter dem Pseudonym John Drake als
Verfasser von Heftromanen kennen gelernt
hat, von einer bislang unbekannten Seite. Er
erzählt die Geschichte einer groß angelegten
politischen Intrige, deren Dimensionen sich
den Historikern erst in den letzten Jahren
erschlossen haben: Das deutsche Kaiserreich
hat nicht nur die Reise des Revolutionärs
Lenin ins zaristische Russland organisiert,
sondern die Oktoberrevolution mit 50 Mio.
DM vorfinanziert. Mit dem Ziel, den
Nachbarn im Osten von Innen heraus zu
zersetzen. "Erschreckend, dass diese
Rechnung mit dem Zusammenbruch der
UdSSR tatsächlich aufgegangen ist, meint
Molsner, der die Ideale des Sozialismus nie
ad acta gelegt hat.
Sein Manuskript hat er "ganz bewusst" an
den vergleichsweise kleinen Oktober-Verlag
geschickt. "Dort arbeitet ein junges Team,
das mit viel Engagement bei der Sache ist",
gibt sich der Autor überzeugt. Im Mai 2001
haben Michael Billmann und Roland Tauber
damit begonnen, Bücher zu machen. In
Zeiten, in denen etablierte Unternehmen um
jeden Cent kämpfen, hat das Duo den
Sprung ins risikoreiche Verleger-Leben mit
einer gehörigen Portion Optimismus
gemacht. "Man muss an seine Arbeit
glauben", stellt Billmann, eigentlich Lehrer für
Deutsch und Italienisch, klar.
Überzeugt hat ihn auch die Arbeitsweise des
Mitbegründers des Verbandes deutscher
Schriftsteller und der
Krimiautorenvereinigung "Das Syndikat".
Molsner weiß, dass sich historische Stoffe
nur nach akribischer Recherche glaubwürdig
ins Buch transportieren lassen.
Die de facto wahre Geschichte um Lenin hat
er nicht verzerrt. Einzig die handelnden
Figuren, die im Hintergrund die Fäden
ziehen, tragen andere Namen. Molsner
komprimiert und bietet plausible
Erklärungen. Für den literarischen
Oktober-Verlag ist es der erste Auftritt im
Spannungs-Segment. Billmann: "Wir sind
vom Erfolg des Projekts felsenfest
überzeugt."
Rainer Uebelhöde,
uebelhoede@buchreport.de